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Let's Talk: Instagram, Snapchat und Co. - Wie viel Relevanz hat der klassische Blog noch?

Montag, 1. Mai 2017

Heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, das mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt hat. Es ist zwar keine neue Frage, die ich hier in den Raum stelle. Aber sie hat für mich persönlich in letzter Zeit sehr an Relevanz gewonnen. 

Ich fange mal am Anfang an: Vor ungefähr zwei Wochen scrollte ich durch meinen Instagram-Feed und blieb bei einem Bild hängen, unter dem die Userin in die Runde fragte, ob sie denn vielleicht einen Blog starten sollte. Denn schließlich hat sie so viele Ideen, sprudelt vor Kreativität und würde ihren Lesern gerne noch mehr bieten! Sie wollte also mal abchecken, ob generell überhaupt Interesse besteht. Einige schienen interessiert, aber viele waren nicht so wirklich begeistert. Eine Userin erklärte sogar, dass sie kein Interesse an 'noch so einem Blog' hätte und es sie tierisch nervt, wenn auf Instagram zu einem Blog verlinkt wird und dann von einem erwartet wird, dass man dort irgendwelche Beiträge liest. Das hat mich echt stutzig gemacht. What!? 

In erster Linie hat mich dieser Kommentar etwas verärgert, weil ich Blogger bin und mich deswegen natürlich selbst ein kleines bisschen angegriffen fühle. Aber zusätzlich hat mich diese unglaubliche Faulheit oder gar Gleichgültigkeit traurig gemacht, mit der heute mit diversen Medien umgegangen wird. Denn diese Userin ist natürlich kein Einzelfall, sondern reflektiert in meinen Augen ein sich immer weiter ausbreitendes Phänomen. Artikel in Zeitschriften oder auf Blogs werden nicht bis zum Schluss gelesen (dauert ja viel zu lang), manche Beiträge werden erst gar nicht berücksichtigt, nur kurz die Bilder begutachtet und dann schon wieder weitergeklickt (ok, schön, next). Und Instagram bedient genau dieses Prinzip. Bilder oder Videos sind der neue Text. Man muss sich als Leser keine Mühe mehr geben - muss sich mit den Inhalten nicht auseinandersetzen. Man kann sich einfach berieseln lassen. Alles ist schön vorgekaut und kann schnell und einfach verschlungen werden. Hey, wenn ich es mal ganz überspitzt ausdrücke: Instagram, Snapchat & Co. sind doch die Fast-Food-Lokale in der Welt der sozialen Medien. Da gibt's Burger, die gut aussehen, eigentlich auch ganz gut schmecken, aber nach einer halben Stunde hat man wieder ein leeres Gefühl im Bauch. Snapchat ist in meinen Augen übrigens im Vergleich zu den anderen das noch viel fiesere Burger-Lokal. Denn was sagt es denn bitte über uns aus, dass wir total scharf auf belanglose Videos von fremden Leuten sind, die nach 24 Stunden wieder von der Erdkugel verschwinden? Irgendwie ist das in meinen Augen so sinnlos und einfach ein Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft. Ich möchte gerne etwas schaffen, das bleibt. Und ich möchte andere damit bereichern. Deswegen habe ich Snapchat auch vor ein paar Monaten gelöscht, nachdem ich die App anfangs eigentlich ganz cool fand. Hat sich echt gut angefühlt. (Insta-Stories nutze ich sporadisch, weil es sich einfach anbietet, aber eigentlich ist mir das nicht wichtig und ich wäre auch nicht traurig, wenn die Funktion wieder verschwinden würde). Aber zurück zum Wesentlichen: Ich glaube, es lässt sich kaum abstreiten, dass sich in unserem Umgang mit Informationen und Texten in den letzten Jahren sehr viel verändert hat. Und Instagram und Co. sind nicht unbedingt Schuld an dieser Entwicklung, aber auf jeden Fall auch ein Ausdruck dieser Veränderung. Und wenn Firmen und Agenturen dann auch noch vermehrt auf Instagram-Marketing setzen und (leider oft komplett erlogene und gekaufte) Followerzahlen immer relevanter werden, dann hat das nicht nur für viele Blogger einen leicht bitteren Beigeschmack - es unterstützt diese Entwicklung auch nur noch weiter. 

Hey, wenn ich es mal ganz überspitzt ausdrücke: Instagram, Snapchat & Co. sind doch die Fast-Food-Lokale in der Welt der sozialen Medien. Da gibt's Burger, die gut aussehen, eigentlich auch ganz gut schmecken, aber nach einer halben Stunde hat man wieder ein leeres Gefühl im Bauch. 

Bevor ihr aber glaubt, das soll jetzt eine Hetzkampagne gegen Instagram und Snapchat werden - nein, natürlich nicht. Ich bin selbst gerne auf Instagram unterwegs und schätze die App auch aus diversen Gründen. Ich liebe gute Bildsprache und kenne viele tolle Accounts, die sich richtig Mühe geben. Aber trotz alledem sehe ich diese Fast-Food-Bewegung (nennen wir sie mal so) inzwischen sehr kritisch. Denn mich interessiert nicht nur der Status quo. Ich frage mich natürlich auch wie es weitergeht. Werden wir immer fauler? Wie viel Passivität vertragen klassische Blogs noch? Werden sie in ein paar Jahren überhaupt noch gelesen? Sind sie vielleicht einfach out? Oder wird es immer Personen geben, die Freude an tiefgründigeren Texten und längeren Bilderstrecken haben und die Mühe schätzen, die dahintersteckt? Wird vielleicht auch wieder eine Gegenbewegung entstehen? Wird man dann doch irgendwann auf Nachhaltigkeit setzen und realisieren, dass 10,000 gelöschte Snaps einfach nicht den gleichen Mehrwert haben wie 10 von Anfang bis Ende durchdachte und mit viel Liebe geschriebene Beiträge? Ich hoffe es doch sehr. Aber ich weiß es nicht. Und während ich hier sitze und diese Zeilen tippe, euch einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt gebe, interessiert mich wirklich brennend, wie ihr denn das Ganze seht. Okay, die Tatsache, dass ihr überhaupt hier auf dem Blog gelandet seid, ist ja schon mal ziemlich aussagekräftig. Und dass ihr bis zum Schluss durchgehalten habt (haha!). Aber jetzt mal ehrlich: Wie seht ihr das denn alles? Teilt ihr meine Meinung? Seht ihr das vielleicht auch ganz anders? Lasst mir doch bitte einen Kommentar da - das würde mich echt freuen. 

Ich für meinen Teil habe einfach beschlossen, mich nicht mehr allzu viel darüber aufzuregen und ganz konsequent mein Ding durchzuziehen, ohne zu viel nach links und nach rechts zu schauen. Ich werde weiterhin ganz viel Liebe in meinen Blog stecken, egal ob das gerade in oder out ist. Und wenn auch nur ein paar wenige nette Leute den Weg hierher finden und ich ihnen mit meinen Inhalten eine Freude machen kann, bin ich schon zufrieden 😊 Mein Blog war der Anfang, mein eigentliches Standbein - der Rest (wie Instagram) kam nach und nach ergänzend dazu. Das wird sich auch nie ändern. 

Alles Liebe
Eure Stilblume
Kommentare on "Let's Talk: Instagram, Snapchat und Co. - Wie viel Relevanz hat der klassische Blog noch?"
  1. Hallo meine liebe :)
    Ich zähle mich zu den Leuten die, wenn sie das Thema anspricht, auch durchaus mal die komfortzone instagram verlässt und das Territorium eines Blogs betritt und den Artikel liest ;)
    Ich führe selber einen Blog seit vielen Jahren - zugegeben nicht sehr regelmäßig aber von Anfang an mit einer seeeehr geringen Reaktionsquote. Das deprimiert :/ bei instagram ist es ganz anders.. Man hat weniger "Aufwand", muss nur schnell ein Herzchen drücken, hat einen kurzen Kommentar viel schneller verfasst.. Ich schätze instagram also sehr, stecke aber auf Grund von mangelnder Rückmeldung immer weniger Zeit in den Blog.. Schade eigentlich..
    Liebe Grüße, Bianca

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    1. Liebe Bianca,

      danke für deinen Kommentar :-)

      Und ja - ich glaube es geht vielen so. Ich merke natürlich auch, wie viel aufwändiger es ist, Leser für meinen Blog zu gewinnen und mit diesen Lesern dann auch richtig in Kontakt zu treten. Auf Instagram ist das sehr viel einfacher. Tja, mal schauen, wo die Reise hingeht!

      Liebe Grüße!
      Julia

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  2. Hi!
    Ja, diese Gedanken mache ich mir auch... Fast Food Konsum trifft es echt ganz gut. Und man verliert so viel Zeit ohne wirklich inhaltsvolles gesehen und gelesen zu haben! Mein Blog lebt vom Inhalt 😉, aber ich frage mich auch, wie es sich entwickelt, wird es zukunftlich Leser*innen haben, die die 3 Minuten für einen Artikel Zeit aufwenden.
    Liebe Grüße

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    1. Ja, Zeit ist auch so ein riesiges Kriterium, oder!? Ich habe teilweise Ewigkeiten auf Snapchat verbracht und danach habe ich mich dann gefragt, was ich eigentlich die letzte Stunde wirklich gemacht habe. Schlimm!

      LG
      Julia

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  3. Hallo ... ich kann Dir in allen Punkten recht geben. Mein Blog ist zwar klitzeklein , aber für mich ist das ok. Seitdem Instagram mehr frequentiert wird , lässt das Interesse zum Lesen deutlich nach. Ich will mich nicht beschweren, und freue mich über jeden meiner Leser ... aber für die großen Blogs gibt es bestimmt erhebliche Einschränkungen. Ich. In auch bei Instagram und schaue dort gern rein, behalte aber meinen kleinen Blog weiterhin .
    Danke für den schönen und nachdenklichen Post , liebe Grüße Antje

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    1. Ja, du hast recht - mich würde echt interessieren, inwiefern größere Blogs diese Veränderung an ihren Leserzahlen spüren. Muss schlimm sein, wenn man damit sein Geld verdient und dann noch diesem zusätzlichen Druck ausgesetzt ist.

      Liebe Grüße
      Julia

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  4. Vielen Dank für diesen schönen und absolut ehrlichen Text. Du sprichst mir aus der Seele. Ich besitze nicht einmal all diese ''fast-food'' lokale :p

    Alles liebe www.stilundleben.blogspot.de

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    1. Hihi, sehr gut! Geht also auch ohne :-D

      LG
      Julia

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  5. Hallo meine liebe Julia,
    vielen Dank für deinen Beitrag, er ist echt angenehm zu lesen und spricht mir außerdem aus der Seele. Ich sehe das ganz genau wie du und mag Instagram zwar total gerne, würde es aber nie im Leben gegen Blogs eintauschen. Ich mache mir auch Sorgen um die Zukunft, denke mir aber dann immer, dass es wohl wie mit Zeitschriften auch sein wird: Es wird immer Leute geben, die sich die Zeit für einen Blogbeitrag nehmen und Blogs den "Fast-Food-Medien" ;) vorziehen. Ich bin jedenfalls schon mal dabei :D
    Liebste Grüße und mach weiter so mit deinem schönen Blog!
    Lea

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    1. Huhu!!! Danke für deinen lieben Kommentar!

      Ja, ich glaube wir sehen das sehr ähnlich. Auf ein paar Leute ist eben doch Verlass :-D

      Liebste Grüße
      Julia

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  6. Du triffst es auf den Punkt und machst mir eine Freude. Wobei ich gestehen muss, dass ich dich durch die Instawelt erst entdeckt habe. Dein Blog ist nun das I-Tüpfelchen, das hängen geblieben ist und mich zum Wiederkommen "zwingt" :)

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    1. Ach, dankeschön für deine lieben Worte :-) Schön, dass du den Weg hierher gefunden hast!

      Ja, ich möchte Instagram auch nicht zuuuuu schlecht machen und freue mich natürlich auch über meine kleine aber feine Community dort... aber ja, ist ein schwieriges Thema :-)

      Liebste Grüße
      Julia

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