Mias Geburt - Teil 1 - Die Entscheidung für einen geplanten Kaiserschnitt


Als ich nach Florians Geburt meinen Geburtsbericht niedergeschrieben habe (hier könnt ihr ihn nochmal lesen), stellte ich mir am Schluss die Frage, ob und wie sich meine Gedanken zu seiner ja nicht ganz einfachen Geburt mit der Zeit verändern würden. Waren die von mir beschriebenen Ereignisse sehr von der anfänglichen Euphorie geprägt? Waren manche Erinnerungen dadurch vielleicht sogar leicht verzerrt? Oder sehe ich das Geschehene jetzt noch haargenau so wie damals, kurze Zeit nach der Entbindung? Ein sehr spannendes Thema, so wie ich finde. 

Tatsächlich denke ich nach über einem Jahr durchaus anders über Florians Geburt. Während ich in meinem Geburtsbericht alles relativ locker beschrieb, die Komplikationen schon wahrnahm - sie aber meiner Meinung nach fast etwas verdrängte - und abschließend alles ziemlich positiv betrachtete, so musste diese nachgeburtliche Euphorie in den letzten Monaten doch auch anderen Emotionen und Gedankengängen weichen. An den Geburtsverletzungen hatte ich letztendlich doch noch länger zu knabbern (ein Thema, dem wirklich nicht irre viel Aufmerksamkeit gewidmet wird - schade!), ich habe nach und nach begriffen, wie heikel die gesamte Situation im Kreißsaal war und wie es wirklich um Florian stand (habe den Geburtsbericht aus dem Krankenhaus gelesen etc.) und auch emotional hat sich dadurch einiges bei mir getan. Und als ich erfuhr, dass ich wieder schwanger war, schwebte die zweite Geburt wie ein Damoklesschwert über mir und ich merkte, dass ich irgendwie Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Gedanken an eine erneute Geburt anzufreunden. Dabei dachte ich lange Zeit, dass ich das alles ganz easy gemeistert hatte und es mit links noch einmal machen würde. So liest sich schließlich auch mein Geburtsbericht.


Aber über die Monate änderte sich meine Sichtweise. Irgendwie habe ich negative Emotionen damals nach Florians Geburt gar nicht richtig zugelassen. Dass Geburten turbulent und selten rosarot sind, das wusste ich vorher auch. Dass sie aber auch richtig beschissen laufen und einem wirklich Angst machen können, das wollte ich - glaube ich - irgendwie nicht so richtig wahrhaben. Vielleicht wusste ich es auch lange Zeit nicht besser. Dachte, das muss man halt so hinnehmen. Ist vielleicht bei allen so. Bei mir kamen insgesamt nach und nach einfach viele Zweifel auf. Und schließlich auch Angst vor einer zweiten Geburt. Nicht vor den Schmerzen. Das überlebt man. Aber ich wollte nicht noch einmal erleben, wie mein Kind bei der Geburt steckenbleibt und nur knapp einem Sauerstoffmangel entgeht. Auch wenn das Ganze schließlich doch noch gut ausging. Meine Gedanken kreisten: Was ist, wenn das noch einmal passiert? Was ist, wenn es dieses Mal nicht gut ausgeht? Neige ich vielleicht anatomisch dazu, Schwierigkeiten bei einer natürlichen Geburt zu haben? Könnte ich es mir jemals verzeihen, wenn die zweite Geburt ähnlich verläuft und meinem Mädchen etwas passiert? Und wie würde denn mein Körper überhaupt eine so turbulente Geburt ein zweites Mal wegstecken? Darf ich mich das überhaupt fragen? 

Zusammen mit den Ärzten im Krankenhaus einigten wir uns dann letztendlich aufgrund des Geburtsverlaufs bei Florians Geburt auf einen geplanten Kaiserschnitt, primär um sämtliches Risiko für das Baby einfach auszuschalten. Eine Entscheidung, die mir nicht leicht fiel, mir aber sofort eine riesige Last von den Schultern nahm und aus diesem Grund weiß ich auch, dass sie absolut richtig war. Ich wusste, dass ein Kaiserschnitt statistisch gesehen für mich risikoreicher ist und sicherlich nicht der einfache Weg ist, denn schließlich ist es eine Bauch-OP, die auch mit großen Schmerzen einhergeht. Aber ich habe diese Entscheidung in erster Linie für unser kleines Mädchen getroffen.

Prinzipiell bin ich definitiv ein Verfechter der natürlichen Geburt. So ist es ja eigentlich gedacht und ich hätte mir bei meiner ersten Geburt niemals lieber den Bauch aufschneiden lassen, als es auf natürlichem Wege zu probieren (auch wenn ich niemanden dafür verurteile, wenn er es so machen würde - leben und leben lassen!). Diese Einstellung würde ich auch jeder werdenden Mutter trotz meiner Erfahrung nahelegen: Erwarte nichts. Probier es einfach. Aber unter manchen Umständen - wie einer schwierigen ersten Geburt - hat man einfach eine ganz andere Ausgangssituation und gewisse Ansichten können sich dann durchaus auch verschieben. So auch in meinem Fall. Und mit der Entscheidung zum Kaiserschnitt fühlte sich alles plötzlich wieder rund an.


Ich habe das vor der Geburt alles nicht an die große Glocke gehängt, einfach weil es eine sehr private und nicht ganz einfache Entscheidung war. Aber jetzt, nachdem alles super gelaufen ist und ich auch im Nachhinein weiterhin zu 100% von der Entscheidung überzeugt bin, teile ich natürlich gerne meine Erfahrung und Gedanken mit euch!

Und am 2.10.2017 war es dann so weit! Die Tage davor war ich unendlich aufgeregt... Und wir konnten ja trotz des OP-Termins nicht wirklich voraussagen, ob Mia sich nicht vielleicht doch vorher auf den Weg machen würde. Die Ungewissheit blieb also. Schließlich kam Florian auch 3 Wochen früher auf die Welt. Aber letztendlich lief dann doch alles genau nach Plan, was für uns natürlich eine große Erleichterung war.

Und alles weitere gibt's dann in Teil 2, ihr Lieben. Dann erzähle ich euch, wie ich den Kaiserschnitt allgemein empfunden habe, wie die Zeit danach ist und wie ich die Schnittentbindung im direkten Vergleich zur natürlichen Geburt sehe, nachdem ich ja nun beides erlebt habe. Ja - das alles gibt's hier dann schon ganz bald zu lesen, wenn die zwei Kleinen mich zwischendrin etwas arbeiten lassen, haha...

Alles Liebe
Eure Stilblume

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