Mias Geburt - Teil 2 - Der Kaiserschnitt

Es hat mich riesig gefreut, dass der letzte Beitrag (hier) so gut bei euch angekommen ist. Anscheinend hat es wirklich viele von euch interessiert, warum wir uns für einen Kaiserschnitt entschieden haben. Auch auf Instagram kamen von euch irre viele Fragen zu dem Thema bei mir an, auf die ich heute hoffentlich auch ein bisschen eingehen kann. Wenn ihr nachträglich noch Fragen habt, könnt ihr diese natürlich immer in den Kommentaren hinterlassen und ich beantworte sie euch dort 😊 Nun leg ich aber auch schon los: Heute erzähle ich euch, wie der geplante Kaiserschnitt ablief und wie es mir danach ging. Interessante Erfahrungswerte für alle Frauen, die einen Kaiserschnitt noch vor sich haben oder einfach ungefähr wissen möchten, wie sich das alles so anfühlt.


Der Ablauf 

Der Termin für den geplanten Kaiserschnitt stand dann also irgendwann fest: der 2.10.2017. Meistens wird ein Termin 14 Tage (+/-) vor dem errechneten Entbindungstermin gewählt - man möchte nicht, dass sich das Kind doch früher auf den Weg macht und dann alles nicht mehr ganz so planmäßig ablaufen kann. Es hieß, wir sollten an dem Tag um 7:00 Uhr morgens im Kreißsaal sein. Wann ich dann genau in den OP kommen würde, könne man erst an dem Tag sagen, da Notfälle natürlich immer Vorrang haben. Wir stellten uns innerlich schon mal auf eine ziemliche Warterei ein, da unsere Geburtsklinik (wie wahrscheinlich alle in München) permanent komplett überlastet ist.

Am Morgen standen wir also früh auf und machten uns fertig. Kurze Zeit später traf auch schon meine Mutter ein, die wir als Babysitterin für Florian organisiert hatten. Beim zweiten Kind ist die Logistik einer Geburt nämlich weitaus komplizierter, schließlich hat man da noch einen kleinen Menschen, der versorgt werden muss.

Wir kamen dann um kurz vor 7:00 Uhr im Kreißsaal an und dann sollte ich auch gleich schon Krankenhausnachthemd und Stützstrümpfe anziehen, es wurde ein CTG geschrieben und die Hebammen warteten auf den Anruf aus dem OP, dass sie startklar sind. Das dauerte tatsächlich nicht so lange wie ich dachte und plötzlich ging dann alles richtig schnell. Mein Herz schlug mir zu diesem Zeitpunkt schon bis in die Ohren und als die Hebammen mich dann in meinem Bett in Richtung OP-Trakt rollten, flossen ganz schön viele Tränen. Nicht weil ich Angst hatte, aber weil ich das alles einfach furchtbar aufregend fand. Die Vorstellung, dass ich nur noch Minuten davon entfernt war, mein kleines Mädchen kennenzulernen war einfach überwältigend.

Da ich noch nie operiert wurde, war die Erfahrung im OP absolut neu für mich (außerdem hat man ja bei den meisten Operationen eine Vollnarkose und bekommt eh nichts mit, oder?). Ich muss zugeben, dass ich es schon etwas gruselig fand. Alles steril, alle in grün, die grellen Lampen. Man liegt da etwas verloren zwischen all den vielen Leuten, die um einen herumwuseln. Zuallererst musste meine Spinalanästhesie gelegt werden. Da ich bei Flohs Geburt eine PDA hatte, wusste ich schon ungefähr, wie das ablaufen würde. Zwar klappte es dieses Mal erst beim dritten Anlauf, was minimal unangenehm war, aber alles halb so wild - ich bin da relativ unempfindlich. Danach rasselte mein Blutdruck kurz in den Keller und ich dachte, ich muss mich übergeben, was aber zum Glück nicht eintrat. Davor hatte man mich aber vorher schon gewarnt und es war tatsächlich der unangenehmste Teil der ganzen OP. Tja, und dann wurde das berühmte grüne Tuch gespannt, Alex wurde in den Raum gelassen (inzwischen auch in grün) und es ging los. Wenige Minuten später spürte ich schon ein heftiges Ruckeln in meinem Bauch und Mia fing lauthals an zu schreien. Sie wurde mir kurz gezeigt und durfte dann mit Alex und den Kinderärzten in den Nebenraum, während ich genäht wurde. Ab dem Moment machte sich einfach eine riesige Erleichterung in mir breit und ich wusste: Es ist geschafft. Sie ist da. 

Als ich im OP fertig war, kam ich in den Kreißsaal, wo Alex und Mia schon auf mich warteten. Die zwei durften sich schon kennenlernen und kuscheln, während ich noch genäht wurde und so weiter. Dann durfte ich Mia zum ersten Mal anlegen, was auch auf Anhieb klappte. Das rührte mich so und war so ein wunderschöner Moment. Florian hatte nie genug Kraft an meiner Brust zu trinken und es war eine komplett neue Erfahrung für mich. Wir durften nun noch etwas zur Ruhe kommen und nach einer Weile wurden wir dann auch schon auf die Wochenstation gebracht.

Weniger Schmerzen durch TAP Block-Technik

Ich hatte mich im Vorfeld dazu entschieden, nach dem Kaiserschnitt noch ein zusätzliches Schmerzmittel zu bekommen, und zwar heißt dieses Verfahren transversus abdominis plane (TAP) Block. Dabei handelt es sich um eine neue Methode, bei der nach dem Kaiserschnitt unter Ultraschallbeobachtung eine Nadel seitlich in die Bauchdecke eingeführt und ein lokales Betäubungsmittel gespritzt wird. Das spürt man alles nicht, weil zu diesem Zeitpunkt die Spinalanästhesie noch wirkt. Das Schmerzmittel wirkt dann bis zu 24 Stunden, was natürlich ein großer Vorteil ist, da es einem nach der OP einfach besser geht und man sich mit weniger Schmerzen auch viel besser um sein Baby kümmern kann. Wenn ihr einen geplanten Kaiserschnitt bekommt, fragt in eurer Klinik doch mal nach der Methode. Ich habe wirklich sehr gute Erfahrungen damit gemacht.


Die Zeit nach der OP

Ich wusste vor der OP natürlich überhaupt nicht, was mich danach erwarten würde. Wie fühlt sich der Wundschmerz an? Wie sieht die Narbe aus? Wie ist das mit einem Katheter? Wie fühlt man sich allgemein? Wie schnell ist man wieder fit?

Ich muss sagen, dass der Wundschmerz nach der OP schon nicht ganz ohne war, ich ihn mir aber durchaus schlimmer vorgestellt habe. Ich würde ihn wie einen sehr, sehr starken Muskelkater im Bauch beschreiben. Ich bekam dagegen aber regelmäßig stillfreundliche Schmerzmittel, die ich auch gerne angenommen habe. Dadurch musste ich eigentlich keine allzu dramatischen Schmerzen ertragen und war schneller wieder auf den Beinen. Aufgestanden bin ich noch am gleichen Tag das erste Mal. Das war schon echt schwierig und tat ordentlich weh, aber es wurde von Mal zu Mal leichter. Ich bin ehrlich: Am Anfang schmerzt wirklich jede Bewegung (auch lachen oder husten) und man versucht deswegen automatisch, sich so wenig wie möglich zu rühren. Aber gerade die Bewegung tut gut und hilft einem, nicht in einer Art Schonhaltung zu verspannen. Das habe ich schnell gemerkt.

Ich hatte kurz nach der OP auch ziemliche Schmerzen im Rücken, weil ein Nerv gereizt war und ich immer ziemlich verspannt im Bett saß. Das war tatsächlich teilweise unangenehmer als der Wundschmerz. Das und furchtbare Blähungen habe ich in Erinnerung. Die Luft im Bauch ist nach einer solchen OP aber ganz normal und das hörte glücklicherweise nach 1-2 Tagen wieder auf. Die erste Nacht war dadurch schon ziemlich unangenehm und ich habe mit den Bauchkrämpfen, den Nervenschmerzen im Rücken etc. eigentlich gar keinen Schlaf bekommen. Außerdem musste ich Mia ja versorgen und alles war so neu und aufregend! Aber danach ging es steil bergauf und ich finde es wirklich faszinierend, wie schnell ich mich dann erholt habe. An Tag 2 wurde der Katheter gezogen, was wirklich nicht schlimm ist. An Tag 3 wurde das Pflaster abgemacht und ich habe mich das erste Mal wieder geduscht. Und an Tag 4 war ich bereits so fit, dass ich nach Hause gehen konnte. Insgesamt war für mich also wirklich nur die erste Nacht schlimm und danach wurde es stetig besser. Während man am ersten Tag noch denkt, man kann sich unmöglich jemals wieder normal bewegen, sieht das kurze Zeit später wirklich schon ganz anders aus - versprochen!

Die Wunde spürt man natürlich noch länger und ich habe daheim auch noch eine Weile Ibuprofen genommen. Man muss sich schonen und ich habe es einfach ganz langsam angehen lassen und auf die Signale meines Körpers gehört. Viele anstrengendere Dinge im Haushalt habe ich einfach ein paar Wochen sein lassen. Florian habe ich anfangs gar nicht gehoben, nach einer Weile nur wenn es gar nicht anders ging. Nach 5-6 Wochen habe ich dann aber gar nichts mehr von der OP gespürt, konnte wieder ganz normal spazieren gehen und Florian tragen und heben wie vorher auch. Die Narbe ist nun nur noch ein hauchdünner Strich, der mich überhaupt nicht stört. Und ich schätze, dass man sie schon bald gar nicht mehr erkennen wird.

Meine Erfahrung: Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt

Wenn mich jemand fragen würde, welche Geburt in meinen Augen besser lief, ist es ganz klar der Kaiserschnitt. In unserer Situation war es die richtige Entscheidung und rückblickend hätte es nicht besser laufen können. Mir ging es den Umständen entsprechend gut und Mia - und das war für mich der wichtigste Punkt - ging es einfach hervorragend. Ihre Apgar Werte waren perfekt, sie war nach der OP im Prinzip sofort rosig und hatte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten oder dergleichen. Sie trank von Anfang an an der Brust und machte einen irrsinnig entspannten und zufriedenen Eindruck. Einfach nur schön.

Florian ging es wiederum nach der Geburt gar nicht gut, er musste beatmet werden und wir hatten das Gefühl, er kam lange Zeit überhaupt nicht richtig an auf der Welt. Auch mir ging es schlecht, ich konnte am ersten Tag fast überhaupt nicht aufstehen, weil mir so schwindelig war, da ich so viel Blut verloren hatte. Der Dammschnitt tat furchtbar weh (normal laufen und komfortabel sitzen konnte ich erst nach 2-3 Wochen wieder). Mein Blutdruck war viel zu hoch. Ach, es war einfach doof. Dazu kamen die ganzen Schwierigkeiten danach, die natürlich nichts mit der Geburt direkt zu tun hatten, aber das Erlebnis als Ganzes trotzdem negativ färben. Irgendwie war  insgesamt einfach der Wurm drin.

Nun ist es aber so, dass man vor einer Geburt einfach nicht weiß, wie sie verlaufen wird. Eine natürliche Geburt kann bilderbuchmäßig laufen, oder eben nicht. Auch ein Kaiserschnitt kann ganz wunderbar sein, aber natürlich auch nicht in allen Fällen. Wie positiv oder negativ eine Geburt empfunden wird, das macht jeder an ganz unterschiedlichen Faktoren fest. Ich kann euch hier nur meine ganz persönliche Geschichte präsentieren, die natürlich sehr von meinen eigenen Emotionen und Erfahrungen geprägt ist. Ihr könnt davon für euch mitnehmen, was ihr mögt - und euch euer eigenes Urteil bilden!


Thema Kaiserschnitt - oft (leider!) negativ behaftet

Ich habe jedoch allgemein das Gefühl, dass das Thema Kaiserschnitt etwas negativ behaftet ist, was ich persönlich sehr schade finde. Ich sehe die Schnittentbindung primär als lebensrettenden medizinischen Eingriff, der die Geburtsmedizin wirklich revolutioniert hat. Viele Frauen und Kinder würde es heute nicht geben, gäbe es den Kaiserschnitt nicht. Mich übrigens auch nicht. Aber es gibt auch andere, persönliche Gründe, die Frauen dazu bewegen, sich einen Kaiserschnitt zu wünschen. Ich beispielsweise empfand die Möglichkeit aufgrund einer schwierigen Erstgeburt einen Kaiserschnitt zu wählen, absolut erlösend. Ich war unendlich dankbar, dass es da auch einen anderen Weg gab, mein zweites Kind sicher auf die Welt zu bringen. Und alles negative, was man so über Kaiserschnitte hört, kann ich einfach in keinster Weise bestätigen. Es lief alles so bilderbuchmäßig, es ging uns beiden danach blendend und ich würde mit meiner Erfahrung anderen Müttern wirklich gerne Mut machen. Denn es erreichen mich regelmäßig Fragen von werdenden Müttern, die vom Thema Kaiserschnitt sehr verunsichert sind und auch durchaus Angst davor haben. Es soll hier heute nicht darum gehen, eine Form der Entbindung über die andere zu stellen, denn es muss einfach individuell für jede Geburt eine Entscheidung getroffen werden. Nein - ich möchte euch heute einfach zeigen, dass ein Kaiserschnitt auch ganz wunderbar sein kann und prinzipiell nichts ist, wovor man sich fürchten oder wofür man sich schämen muss. Denn abgesehen davon, dass viele Frauen Angst vor dem Kaiserschnitt haben, fühlen sich viele danach auch so, als hätten sie versagt, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Die Art der Entbindung sagt meiner Meinung nach nichts darüber aus, was man für eine Mutter ist. Beide Varianten ermöglichen es einem, sein Kind - entsprechend der individuellen Umstände - sicher auf die Welt zu bringen... Das eigentliche Ziel einer jeden Geburt. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich weiß nun: Ein Kaiserschnitt kann ein ganz wundervolles Geburtserlebnis sein. Ich denke total gerne an den Tag zurück und könnte nicht glücklicher darüber sein, wie perfekt alles gelaufen ist.

Ihr Lieben - das war also mein Beitrag zu Mias Geburt. Wie gesagt: Wenn ich noch irgendetwas vergessen habe, oder ihr noch weitere Fragen habt, hinterlasst mir einfach einen Kommentar, oder schreibt mir eine Mail. Ich freue mich immer, von euch zu hören!

Alles Liebe
Eure Stilblume

Kommentare

  1. Wie schön geschrieben, toll. Ich hatte selber 2 Mal eine Sectio, geplant und ungeplant und freue mich über deinen schönen Bericht?

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  2. Toller Bericht, ich habe in 2 Wochen aus medizinischen Gründen einen Kaiserschnitt und war über die Aussicht alles andere als begeistert. Gerade weil man wirklich oft nur negatives zum Kaiserschnitt liest. Dein Bericht hat mir die Angst etwas genommen.

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